Alti Chäsi Rotkreuz / 2025
Vor dem wirtschaftlichen Aufstieg von Risch Rotkreuz, der durch die im mittleren 20. Jahrhundert eingeführten steuerlichen Begünstigungen des Kantons Zug lanciert wurde, war die lokale Wirtschaft überwiegend landwirtschaftlich geprägt. Der Bau der Eisenbahnlinie im Jahr 1864 schuf entscheidende Verbindungen für den Absatz landwirtschaftlicher Produkte in überregionale Märkte und leitete die schrittweise Modernisierung der ländlichen Wirtschaft ein. In diesem Zusammenhang wurde 1906 die Milchverwertungsgenossenschaft Risch gegründet, gefolgt vom Bau der alten Chäsi, die 1907 fertiggestellt wurde.
Im Laufe der Zeit wurde das Gebäude mehrfach umgebaut, wobei die umfassendsten Eingriffe zwischen 1991 und 2020 durch die Landi erfolgten. Diese Massnahmen erweiterten die Verkaufs- und landwirtschaftlichen Nutzflächen, während in den oberen Geschossen neue Wohnungen geschaffen wurden, um zusätzliche Einnahmen für die Bauern-Genossenschaft zu generieren. Aufgrund dieser weitreichenden Veränderungen und weil der architektonische Ausdruck des Gebäudes für die Region untypisch ist, steht die alte Chäsi nicht unter Denkmalschutz. Stattdessen hat sich das Gebäude ebenso dynamisch entwickelt wie Rotkreuz selbst und spiegelt den wirtschaftlichen und demografischen Wandel der Gemeinde wider.
Heute befindet sich das Gebäude erneut in einer Phase des Umbruchs, ausgelöst durch die Entstehung der dichten, gemischt genutzten Überbauung Chäsimatt auf ehemals landwirtschaftlich genutztem Wiesenland. Das Erdgeschoss mit Ausrichtung zum Chäsiplatz wird künftig eine Gelateria, eine Café-Rösterei sowie das Chäsi Stübli beherbergen – einen geselligen Treffpunkt für die Bewohnerinnen und Bewohner der Chäsimatt. Das Untergeschoss, ehemals als Lagerfläche der Landi genutzt, wurde reaktiviert und nimmt nun einen Escape Room, einen gemeinschaftlichen Weinkeller sowie Personalräume auf. Die kürzlich sanierten Wohnungen in den oberen Geschossen blieben unverändert.
Zu den wesentlichen baulichen Massnahmen gehörten die statische Stabilisierung der instabilen Decken zwischen den Ebenen 0 und 1 sowie der Einbau einer neuen Decke zwischen den Ebenen 0 und –1. Eine grosse Menge des vor Ort angetroffenen Lehms wurde wieder in das Gebäude integriert und zur Ausbildung einer neuen Gewölbedecke verwendet. Dieser Prozess wurde in Zusammenarbeit mit Oxara und Küng Holzbau entwickelt.
Die aktuelle Renovation verfolgt das Ziel, die pluralistische Koexistenz von Vergangenheit und Gegenwart des Gebäudes zuzulassen. Wie ein Palimpsest legen seine architektonischen Schichten die Spuren aufeinanderfolgender Eingriffe frei, die jeweils auf die pragmatischen und kulturellen Anforderungen ihrer Zeit reagierten und zugleich offen für zukünftige Transformationen bleiben.